Startseite » ZVA-Obermeistertagung 2026: Mit Zusammenhalt, Austausch und klarer Haltung in die Zukunft
Einen Schwerpunkt der Veranstaltung bildete das Thema Augen-Screening. Erstmals hatten ZVA, VDCO und IVBS eine gemeinsame Eröffnung der SICHT.KONTAKTE gestaltet, um wissenschaftliche und berufspolitische Perspektiven stärker miteinander zu verbinden. In Impulsvorträgen und einer anschließenden Diskussionsrunde wurden unterschiedliche Modelle der optometrischen Gesundheitsvorsorge mit deren Chancen und Grenzen betrachtet. Dr. Alex Hein vom Augen-Screening-Anbieter Skleo Health stellte am Beispiel der Kooperation mit der Drogeriemarktkette dm vor, wie niedrigschwellige Screening-Angebote Menschen erreichen können, die sich bislang nicht mit ihrer Augengesundheit beschäftigt haben. ZVA-Präsident Kai Jaeger betonte in seinem anschließenden Impulsvortrag, dass es nicht allein auf den Zugang zur Untersuchung ankomme: „Niedrigschwellige Angebote können helfen, mehr Menschen mit der Augengesundheitsvorsorge zu erreichen. Aber es gibt auch einen Bereich zwischen dem Angebot des Screenings und der augenärztlichen Abklärung im Falle von Auffälligkeiten: Entscheidend ist, dass qualifizierte Fachkräfte die Ergebnisse einordnen, verständlich erklären und die nächsten Schritte gegebenenfalls begleiten. Es braucht nicht nur einen Versorgungspfad, sondern auch eine Versorgungskontinuität – und genau diese können qualifizierte Augenoptikermeister und Optometristen in der Fläche bieten.“
Peter Gumpelmayer vom European Council of Optometry and Optics (ECOO) zeigte anhand des iScreen-Forschungsprojekts zur Früherkennung der Altersbedingten Makuladegeneration, welches Potenzial in einer strukturierten Zusammenarbeit zwischen Augenheilkunde und Augenoptik liegt.
Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass neue Technologien und KI-gestützte Verfahren die Versorgung sinnvoll ergänzen können, qualifizierte Fachkräfte aber unverzichtbar bleiben. Das Thema Screening knüpfte somit auch an die Zukunftsfragen an, die bereits am Vorabend im Rahmen der Feier zum 75-jährigen Bestehen des ZVA im Mittelpunkt gestanden hatten. Der gemeinsame Anspruch: neue Entwicklungen offen diskutieren und die Zukunft der Augenoptik aktiv mitgestalten, ohne sich vorhandene Kompetenzen absprechen zu lassen.
ZVA-Ehrenzeichen in Gold für Verdienste in der Normungsarbeit
Zu Beginn der Tagung erhielt Wolfgang Müller aus Bad Essen mit dem ZVA-Ehrenzeichen in Gold die höchste Auszeichnung des Verbandes für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, insbesondere in der Normungsarbeit. Er gehört seit vielen Jahren dem Fachwissenschaftlichen Ausschuss des ZVA an und bringt seine Expertise mit großer fachlicher Kompetenz und Beharrlichkeit in zahlreichen Normungsgremien ein. ZVA-Präsident Kai Jaeger hob in seiner Laudatio hervor, dass die Normungsarbeit zwar häufig im Hintergrund stattfinde, für die Augenoptik aber von grundlegender Bedeutung sei. Wolfgang Müllers Einsatz stehe beispielhaft für eine Verbandsarbeit, die von persönlicher Verantwortung und dem Willen getragen werde, den Beruf voranzubringen. In seiner Dankesrede unterstrich Wolfgang Müller die Bedeutung kontinuierlicher fachlicher Weiterentwicklung; die einmal erworbene Meisterqualifikation reiche angesichts neuer Technologien und sich wandelnder Anforderungen nicht aus.
In der Haltung klar bleiben, gesprächsbereit sein
In ihrer Begrüßungsansprache sagte Antje Tauchert, Obermeisterin der gastgebenden Augenoptikerinnung Berlin, sie wünsche sich, dass wir in der aktuellen Zeit alle wieder das Gespräch suchten, anstatt Toleranz gegen Ideologie zu tauschen.
Dies griff ZVA-Präsident Kai Jaeger in seinem Bericht zur aktuellen Situation auf: Die gemeinsame Eröffnung sei mehr als ein neues Veranstaltungsformat. Sie stehe für den Anspruch, auch über unterschiedliche fachliche und wirtschaftliche Vorstellungen hinweg miteinander im Gespräch zu bleiben: „Wir müssen bereit sein, unterschiedliche Positionen anzuhören und auch unbequeme Diskussionen zu führen. Das bedeutet nicht, das wir unsere eigenen Überzeugungen aufgeben. Im Gegenteil: Gesprächsbereitschaft und eine klare fachliche Haltung gehören für mich zusammen.“
Berufspolitische Bemühungen und Erfolge
Anschließend gab Kai Jaeger einen Überblick über wichtige rechtliche und gesundheitspolitische Entwicklungen. So stellt der Vergleich des ZVA mit Supervista (Brillen.de) vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf klar, dass auch bei remote durchgeführten Refraktionsverfahren die handwerksrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen.
Weiterhin setzt der Verband die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Gesundheitshandwerke fort – diese Kooperation stärkt die Stimme der Augenoptik in der politischen Arbeit deutlich. Dies betrifft beispielsweise die schon viele Jahre andauernden Bemühungen um faire Rahmenbedingungen für die Betriebe im Rahmen der Sehhilfenversorgung gesetzlich Krankenversicherter.
Als großen berufspolitischen Erfolg hob Kai Jaeger die Änderung der Fahrerlaubnisverordnung hervor, die Augenoptikbetrieben seit August ermöglicht, unter den entsprechenden Voraussetzungen auch die vorgeschriebenen Sehüberprüfungen für Berufskraftfahrer durchzuführen. Die Neuregelung geht auf eine seit 2011 erhobene Forderung des ZVA zurück. Für Kai Jaeger ist sie zugleich ein Beispiel dafür, wie viel sich durch Beharrlichkeit, fachliche Überzeugungsarbeit und das langfristige Engagement innerhalb der Verbandsorganisation erreichen lässt.
Neue Aufgaben erfordern klare Standards
Dirk Schäfermeyer, ZVA-Abteilungsleiter Berufsbildung, stellte mit seinen Ausführungen zur Ergänzung der Arbeits- und Qualitätsrichtlinien für Augenoptik und Optometrie (AQRL) im Bereich Myopiemanagment heraus, wie die Augenoptik ihre wachsenden fachlichen Aufgaben qualitätsgesichert wahrnehmen kann.
Die neuen Möglichkeiten zur Untersuchung des Sehvermögens von Berufskraftfahrern wurden in den Vorträgen von Dr. Carolin Truckenbrod und ZVA-Geschäftsführer Dr. Jan Wetzel im Hinblick auf fachliche Anforderungen und geeignete Untersuchungsverfahren sowie rechtliche Voraussetzungen und Zuständigkeiten vertieft. Der ZVA stellt Innungsbetrieben entsprechende Umsetzungsempfehlungen sowie Listen geeigneter Geräte zur Verfügung, ein für Innungsmitglieder kostenloses Webinar mit fachbezogenen Inhalten zu praktischen Fragen der Umsetzung mit Dr. Carolin Truckenbrod ergänzt das Angebot. Dieses Video findet sich auf der Fortbildungsplattform COE-Campus.
In diesem Zusammenhang diskutierten die Delegierten die Bedeutung regelmäßiger Fortbildung unter der Frage, wie fachliche Qualifikation dauerhaft gesichert werden kann. Kai Jaeger ordnete den rechtlichen Rahmen einer allgemeinen Fortbildungspflicht innerhalb des Handwerks ein und betonte zugleich die Notwendigkeit, sich mit diesem Thema weiter zu befassen.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Zum Abschluss der Obermeistertagung dankte Kai Jaeger den Delegierten und allen Ehrenamtsträgern für ihr Engagement und rief dazu auf, sich auch künftig aktiv in die Verbandsarbeit einzubringen: „Unser Verband lebt von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, unterschiedliche Perspektiven einzubringen und gemeinsam beharrlich die beste Lösung zu suchen. Dies ist die Grundlage dafür, dass wir die Interessen unseres Berufsstands erfolgreich vertreten und die Augenoptik auf eine solide Basis für die Zukunft stellen können.“
Ihre Ansprechpartnerin bei Fragen:
Sarah Köster
Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen
Alexanderstraße 25 a, 40210 Düsseldorf
Tel.: 0211/ 86 32 35-0; Fax: 0211/ 86 32 35-35
E-Mail: presse@zva.de; Web: www.zva.de
01: Dr. Alex Hein, Geschäftsführer und Mitgründer von Skleo Health, spricht über das Potenzial niedrigschwelliger Screening-Angebote
02: ZVA-Präsident Kai Jaeger thematisiert in seinem Impulsvortrag die wichtige Rolle von qualifizierten Fachkräften in der optometrischen Gesundheitsvorsorge
03: Peter Gumpelmayer vom European Council of Optometry and Optics (ECOO) präsentiert das iScreen-Forschungsprojekt sowie die sich daraus ergebende Relevanz einer strukturierten Zusammenarbeit zwischen Augenheilkunde und Augenoptik
04: (v.l.n.r.) Wolfgang Cagnolati (Optometrie Cagnolati), Kai Jaeger (ZVA), Dr. Alex Hein, (Skleo Health), Beate Göpel (IVBS), Dr. Claus Gruber (Mirantus Health), Prof. Dr. Daniela Nosch (Fachhochschule Nordwestschweiz) und Peter Gumpelmayer (ECOO) diskutieren das Potenzial neuer Technologien und KI
05: Wolfgang Müller (links) erhält von ZVA-Präsident Kai Jaeger das ZVA-Ehrenzeichen in Gold
06: ZVA-Präsident Kai Jaeger präsentiert den Bericht zur aktuellen Situation und gibt einen Überblick über wichtige Entwicklungen für die Branche
07: Dr. Carolin Truckenbrod erläutert die fachlichen Anforderungen zur Untersuchung des Sehvermögens von Berufskraftfahrern
Bilder zur Veranstaltung stehen zur honorarfreien Nutzung zur Verfügung. Weitere Fotos senden wir auf Anfrage gerne zu.
Bildhinweis: ZVA/Peter Magner
ZVA-Themenfokus
Der ZVA-Themenfokus versorgt Journalisten und Vertreter der Verbraucher- und Publikumspresse mit Informationen zu Themen der Augenoptik und dient als Recherchehilfe und Orientierung.
ZVA-Positionspapiere
Als Argumentationshilfe vor Behörden, Gerichten und Entscheidungsträgern sowie als Information für Journalisten hat der ZVA für kontrovers diskutierte Themen Positionspapiere entwickelt.
Jedes Jahr erscheint der ZVA-Geschäftsbericht. Dort legt der ZVA gegenüber seinen Mitgliedern Rechenschaft über das jeweils zurückliegende Geschäftsjahr ab. Der Bericht befasst sich mit den Themen „Berufspolitik“, „Recht“, „Betriebswirtschaft und Krankenkassen“ sowie „Öffentlichkeitsarbeit und Marketing“ und berichtet über Aktivitäten der einzelnen Abteilungen.