Startseite » 75 Jahre Interessenvertretung für die Augenoptik: ZVA feiert Jubiläum in Berlin
Mit einem Blick in die ersten Protokolle des ZVA eröffnete Moderator David Friederichs, Chefredakteur der DOZ, den Jubiläumsabend. Die Gründung des damaligen Zentralverbands der Augenoptik am 21. April 1951 in Bad Godesberg markierte den Beginn einer gemeinsamen Interessenvertretung, die den Berufsstand über Jahrzehnte begleitet und mitgestaltet hat. ZVA-Präsident Kai Jaeger – der zehnte Präsident in der Geschichte des Verbandes – erinnerte in seiner Begrüßung an wichtige Etappen dieser Entwicklung und würdigte insbesondere das Engagement der Menschen, die den Verband in den vergangenen 75 Jahren geprägt haben.
75 Jahre gemeinsame Interessenvertretung
In seiner Begrüßung blickte Kai Jaeger auf die Entwicklung des Verbands und seine gewachsene Rolle innerhalb der Handwerksorganisation zurück. Dass die Augenoptik bis heute fest im Handwerk verankert ist, habe sich gerade angesichts aktueller berufspolitischer Erfolge bewährt. Beispielhaft verwies der ZVA-Präsident auf die neue Augenoptikermeisterverordnung, die Erweiterung der Untersuchungsmöglichkeiten für Berufskraftfahrer und die Klärung der Eintragungspflicht bei Remote-Refraktionsverfahren. Diese Entwicklungen zeigten den Wert einer starken Interessenvertretung und der engen Zusammenarbeit mit den Organisationen des Handwerks. Vor einigen Wochen wurde somit auch die Zusammenarbeit der Gesundheitshandwerke unter dem Dach der beim ZDH angesiedelten Arbeitsgemeinschaft durch die Verlängerung ihrer Kooperationsvereinbarung bis 2031 bekräftigt.
„75 Jahre ZVA sind vor allem die Geschichte von Menschen. Von Menschen, die Verantwortung übernommen haben. Die sich ehrenamtlich engagiert, diskutiert und manchmal sicher auch gestritten haben – immer mit dem Ziel, unseren Beruf voranzubringen“, sagte Kai Jaeger. Ausdrücklich dankte er seinen Amtsvorgängern, ehemaligen Vizepräsidenten und den vielen Mitstreitern, die den Verband durch unterschiedliche politische und wirtschaftliche Zeiten begleitet haben. Besonders würdigte er das Engagement der Kollegen aus Ost- und Westdeutschland, die nach der Wiedervereinigung entscheidend zum Aufbau einer gemeinsamen bundesweiten Berufsvertretung beitrugen. Gerade darin liege eine besondere Stärke des ZVA: unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Gemeinsam stark – national und europäisch
Die Bedeutung langjähriger Partnerschaften spiegelte sich auch in den Grußworten wider. Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), würdigte die Augenoptik als festen Bestandteil der Handwerksfamilie. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen gelte es insbesondere, die Substanz kleiner und mittlerer Betriebe zu stärken. Zugleich ermutigte er den ZVA, mit Stolz auf das Erreichte zurückzublicken und die Zukunft weiterhin mit Hartnäckigkeit, Weitsicht und Mut zu gestalten. Die Präsidentin des European Council of Optometry and Optics (ECOO), Gabriëlle Janssen, hob in ihrem auf Deutsch gehaltenen Grußwort die Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit hervor. Europa entstehe nicht allein in Brüssel, sondern durch das gemeinsame Engagement der beteiligten Organisationen. Der ZVA leiste als Mitglied von ECOO einen wichtigen Beitrag zum Austausch und zur Weiterentwicklung der Augenoptik auf europäischer Ebene.
Faszination Optik und Geschichte zum Erleben
Mit der Geschichte der Brille und der Faszination optischer Phänomene beschäftigte sich Prof. Dr. Timo Mappes, Gründungs- und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Optischen Museums (D.O.M.) in Jena. Das Museum, dessen Neueröffnung für 2028 vorgesehen ist, wird die Welt der Optik mit historischen Sammlungsstücken und interaktiven Erlebnisstationen auf neue Weise vermitteln – mit dem Anspruch, die Begeisterung für (augen)optische Entwicklungen und Erfindungen aus Jena zu wecken, die das Leben von Milliarden Menschen erleichtert und beeinflusst haben. Einen wichtigen Beitrag zum weltweit einzigartigen Sammlungsbestand mit über 40.000 Exponaten leistete der ZVA: Der Verband überließ dem Museum eine umfangreiche historische Brillensammlung aus dem Nachlass des Augenoptikermeisters Udo Timm. Einige Exponate und Mitmachstationen gaben den Besuchern der SICHT.KONTAKTE bereits einen Vorgeschmack auf das zukünftige Ausstellungskonzept.
Zwischen Digitalisierung und Gesundheitsversorgung
Welche Herausforderungen und Chancen die Augenoptik in den kommenden Jahren erwarten, diskutierten ZVA-Präsident Kai Jaeger, Mirjam Rösch (Vorsitzende Consumer Optics bei Spectaris), Peter Gumpelmayer (ECOO) und Prof. Dr. Hans-Jürgen Grein (Professor für Medizinische Optik und Optometrie an der Technischen Hochschule Lübeck). Im Mittelpunkt standen der Einfluss von Smartglasses und Künstlicher Intelligenz, neue optometrische Versorgungsmodelle sowie die Frage, wie der Berufsstand seine künftige Rolle aktiv gestalten kann. Während Mirjam Rösch die Chancen neuer Technologien und die Bedeutung der Kundenschnittstelle hervorhob, betonte Professor Grein den bleibenden Wert individueller Beratung und fachlicher Erfahrung. Peter Gumpelmayer sprach sich für eine stärkere Einbindung der Optometrie in die Gesundheitsversorgung aus. Auch Kai Jaeger sieht in der flächendeckenden Infrastruktur der Augenoptik erhebliches Potenzial für eine wohnortnahe Augengesundheitsvorsorge. Entscheidend sei, neue Aufgaben auf Grundlage fachlicher Kompetenz, klarer Standards und funktionierender Kooperationen zu übernehmen. Digitalisierung und KI könnten die Versorgung unterstützen, die Verantwortung qualifizierter Fachkräfte aber nicht ersetzen: „Wir wollen deshalb nicht nur beobachten, wie sich die gesundheitliche Versorgung verändert, wir möchten sie aktiv mitgestalten. Wir können unseren Beitrag leisten. Und wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“
Wie sich neue Modelle der Augengesundheitsvorsorge konkret gestalten lassen und welche fachlichen Anforderungen damit verbunden sind, stand auch im Mittelpunkt der ZVA-Obermeistertagung, die am folgenden Tag im Rahmen der SICHT.KONTAKTE stattfand.
Mit Weitsicht und unterschiedlichen Perspektiven in die Zukunft
Einen besonderen Schlusspunkt setzte Matthias Müller vom Südwestdeutschen Augenoptiker- und Optometristenverband (SWAV), der dem ZVA im Namen des ältesten Landesinnungsverbands mit bereits 77-jähriger Geschichte zum Jubiläum gratulierte. Mit einem Bildmotiv, das auf unterschiedliche Betrachtungsweisen verweist, und einem symbolischen Plusglas als Zeichen der Weitsicht griff er wesentliche Botschaften des Abends auf: Erfolgreiche Interessenvertretung verlangt die Bereitschaft, andere Perspektiven einzunehmen, beharrlich für gemeinsame Ziele einzutreten und den Blick über den eigenen Betrieb hinaus auf den gesamten Berufsstand zu richten.
Kai Jaeger schloss mit den Worten: „Ein Berufsstand braucht eine starke gemeinsame Stimme. Er braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für den eigenen Betrieb, sondern für das Ganze. Und er braucht die Fähigkeit, bei allen Unterschieden immer wieder das zu finden, was uns verbindet.“
Mit diesem Anspruch will der ZVA auch in den kommenden Jahrzehnten die Entwicklung der Augenoptik aktiv begleiten und mitgestalten.
Ihre Ansprechpartnerin bei Fragen:
Sarah Köster
Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen
Alexanderstraße 25 a, 40210 Düsseldorf
Tel.: 0211/ 86 32 35-0; Fax: 0211/ 86 32 35-35
E-Mail: presse@zva.de; Web: www.zva.de
01: ZVA-Präsident Kai Jaeger begrüßt die Gäste und würdigt in seiner Rede unter anderem das Engagement der Menschen, die den Verband in den vergangenen 75 Jahren geprägt haben
02: Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), würdigt in seiner Rede die Augenoptik als festen Bestandteil der Handwerksfamilie
03: Gabriëlle Janssen, Präsidentin des European Council of Optometry and Optics (ECOO), hebt in Ihrem Grußwort die Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit hervor
04: Prof. Dr. Timo Mappes, Gründung- und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Optischen Museums (D.O.M.) in Jena, nimmt die Anwesenden mit auf eine Reise durch die Geschichte der Brille
05: Unter der Moderation von David Friederichs, Chefredakteur der DOZ (ganz links), diskutieren Peter Gumpelmayer (ECOO), Mirjam Rösch (Vorsitzende Consumer Optics bei Spectaris), ZVA-Präsident Kai Jaeger und Prof. Dr. Hans-Jürgen Grein (Professor für Medizinische Optik und Optometrie an der Technischen Hochschule Lübeck) über zukünftige Herausforderungen und Chancen für die Augenoptik (v.l.n.r.)
06: Im Rahmen der Industrieausstellung der SICHT.KONTAKTE präsentierte das Deutsche Optische Museum in Jena vor der Eröffnung 2028 einen kleinen Einblick in die Sammlung
Bilder zur Veranstaltung stehen zur honorarfreien Nutzung zur Verfügung. Weitere Fotos senden wir auf Anfrage gerne zu.
Bildhinweis: ZVA/Peter Magner
ZVA-Themenfokus
Der ZVA-Themenfokus versorgt Journalisten und Vertreter der Verbraucher- und Publikumspresse mit Informationen zu Themen der Augenoptik und dient als Recherchehilfe und Orientierung.
ZVA-Positionspapiere
Als Argumentationshilfe vor Behörden, Gerichten und Entscheidungsträgern sowie als Information für Journalisten hat der ZVA für kontrovers diskutierte Themen Positionspapiere entwickelt.
Jedes Jahr erscheint der ZVA-Geschäftsbericht. Dort legt der ZVA gegenüber seinen Mitgliedern Rechenschaft über das jeweils zurückliegende Geschäftsjahr ab. Der Bericht befasst sich mit den Themen „Berufspolitik“, „Recht“, „Betriebswirtschaft und Krankenkassen“ sowie „Öffentlichkeitsarbeit und Marketing“ und berichtet über Aktivitäten der einzelnen Abteilungen.