Tag der Optometrie

Gemeinsam stark

 

Am 9. Oktober 2016 lädt der ZVA gemeinsam mit VDCO (Vereinigung deutscher Contactlinsen-Spezialisten) und IVBS (Internationale Vereinigung für Binokulares Sehen) bereits zum fünften Mal zum Tag der Optometrie ins Kurfürstliche Schloss in Mainz. Für Augenoptiker, Optometristen und Kontaktlinsenspezialisten bietet sich auch in diesem Jahr die Möglichkeit, optometrische Kenntnisse zu erlangen, zu vertiefen und sich untereinander auszutauschen. Seit dem ersten Tag der Optometrie 2012 ist das Ziel der Veranstaltung, die Optometrie sowie eine zeitgemäße, produkt- und industrieneutrale Fortbildung voranzutreiben. Das dürfte auch diesmal angesichts des abwechslungsreichen Programms mit Vorträgen hochkarätiger Dozenten der verschiedensten Fachrichtungen gelingen. ZVA-Präsident Thomas Truckenbrod wird die Tagung zusammen mit dem VDCO-Vorsitzenden Maarten Hobé eröffnen, der den Tag der Optometrie als Moderator begleitet. 

Ein Schwerpunktthema wird die Netzhaut sein, der sich beispielsweise der Schweizer Optometrist Dr. Michael Bärtschi als Keynote Speaker mit einem Vortrag zur Glaukom-Forschung widmet. Viele Augenoptiker treibt zudem derzeit die Frage um, ob sich die Anschaffung einer Funduskamera lohnt – Karl Amon, Geschäftsführer von Amon und Sebold in Aschaffenburg, wird vor dem Hintergrund seiner praktischen Erfahrungen mit dieser Technologie Vor- und Nachteile aufzeigen und möglicherweise zur Entscheidungsfindung beitragen. Der Duisburger Optometrist Dr. Bastian Cagnolati wird über die Bedeutung des Retinascreenings in der optometrischen Praxis referieren. Zusammen mit seinem Vater Wolfgang Cagnolati bietet er abschließend ein interaktives „Retina-Quiz“ an: Das Publikum kann Netzhautbilder per Voting bestimmten Auffälligkeiten zuordnen. 
 

Tagungsprogramm 9. Okt 2016

9:30 - 17:00 Uhr
 
Begrüßung und Eröffnung
Thomas Truckenbrod, ZVA-Präsident
Moderation: Maarten Hobé, M.S.c.
 
Bedeutung des Sehens für Lesen, Lernen, Konzentration und Bewegung
Dr. med. Fritz Gorzny
Die Netzhäute unserer Augen sind anatomisch und entwicklungsgeschichtlich der einzige beweglich vor die Schädelkalotte gelegene Teil unseres Gehirnes. 80% aller Informationen  erhalten wir über das visuelle System, das 50% des Energieverbrauchs unseres Gehirns beansprucht. Sehen ist motorische Arbeit. Pupillenmotorik, Akkommodation, Konvergenz, Sakkaden und Fusion müssen   reflektorisch, konjugiert und synchron im Rhythmus von Millisekunden funktionieren im Zusammenspiel mit dem vestibulären und peripheren Reflexsystemen. 
Wird die Fusionsarbeit durch zusätzlichen Aufwand für Refraktionsausgleich z.B. bei Hyperopie, Astigmatismus, Anisometropie und motorischer Nachstellarbeit bei Heterophorien, Mikrostrabismus  oder Augenmuskellähmungen belastet, tritt häufig rasche Ermüdbarkeit im Sinne einer  Asthenopie oder sogar schweren  Pathophorie auf, was auf Dauer zu multiplen Funktionsstörungen mit Beschwerde- und Krankheitsbildern führen kann, über die an zahlreichen klinischen Beispielen berichtet wird.
 
Dr. med. Fritz Gorny ist Facharzt für Augenheilkunde. Bereits 1966 etablierte er eine Sehschule an der Universitäts-Augenklinik Köln. 1971 übernahm er eine Augenarztpraxis in Koblenz und gründete dort 2001 die Augen- und Laserklinik. Seit 2003 ist Gorzny in der IVBV (heute IVBS) aktiv, seit 2006 als Vizepräsident und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats.
 
Prismatische Korrektionen bei neurologischen Defekten ?
Esther Goeltzer, Optometristin (FH)
Esther Goeltzer wird sich in Ihrem Vortrag prismatischen Korrektionen der Diplopie nach neurologischen Ereignissen widmen. Nach Anamnese und Ursachenaufklärung sollte üblicherweise der Schielwinkel mithilfe von Prismen korrigiert werden. Da dies aber in der Praxis oft nicht der Fall ist, erklärt Goeltzer die praktische Vorgehensweise unter anderem für Augenoptiker/Optometristen und plädiert für ein professionelles Management der Folgen neurologischer Ereignisse. 
 
Esther Goeltzer ist Optometristin und Optometrie-Dozentin bei der Augenoptikerinnung des Landes Brandenburg in Rathenow. Die Firma Esther Goeltzer Augenoptik ist in Berlin beheimatet. 
 
Aktuelles aus der Forschung der modernen Catarakt-Chirurgie
Prof. Dr. Gangolf Sauder
 
AMD–Netzwerk: Versorgungslücken erkennen und schließen
Jana Bouws, M.A., AMD-Netz 
In ihrem Vortrag stellt Jana Bouws das gemeinnützige AMD-Netz vor, ein medizinisch-soziales Netzwerk, das sich für eine bessere Lebensqualität von Betroffenen der altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) einsetzt. Die interdisziplinäre Arbeit in Forschungsprojekten und die Vernetzung medizinischer und nicht-medizinischer Versorger ermöglicht eine nachhaltige Verbesserung der Versorgungsqualität. Die Website www.amd-netz.de informiert Betroffene und Angehörige über die Erkrankung, Hilfsmöglichkeiten bei Seheinschränkung und verweist auf Spezialisten für Vergrößernde Sehhilfen sowie weitere Versorger.
 
Jana Bouws ist Kommunikationswissenschaftlerin und Medienkauffrau. Neben ihrem Studium in Münster war sie im Marketing für das Deutsche Rote Kreuz und einen Medizintechnikhändler tätig.   Nach ihrem Studium arbeitete Bouws als Beraterin in einer Agentur für Gesundheitsthemen. Heute leitet sie als Geschäftsführerin des AMD-Netzes die Geschäftsstelle in Münster, wo sie sich um die Bereiche Finanzen und Personal sowie bestehende und potenzielle Partner des Netzwerks kümmert.
 
Moderne Low Vision Versorgung 
Dr. Stefanie Holzapfel
Wie ist eine moderne Low Vision Versorgung gestaltet? Welche Elemente sollten diese beeinflussen? Der Vortrag von Dr. Stefanie Holzapfel unter dem Titel Moderne Low Vision Versorgung gibt Antworten auf diese und weitere Fragen, stellt aktuelle Trends dar und hinterfragt kritisch die derzeitige Situation der Low Vision Versorgung.
 
Dr. Stefanie Holzapfel ist Diplom-Augenoptikerin/Optometristin und Master of Science Augenoptik/Optometrie. Sie lehrt und forscht an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Beuth Hochschule für Technik in Berlin und arbeitet in einem Augenoptikfachgeschäft sowie in einer Augenarztpraxis. Sie promovierte an der Technischen Universität Dortmund zum Thema „Akzeptanz vergrößernder Sehhilfen durch Kinder mit Sehbehinderung“. Ehrenamtlich leitet sie den Gemeinsamen Fachausschuss für die Belange Sehbehinderter (FBS) beim DBSV und engagiert sich im wissenschaftlichen Beirat des BFS e.V.
 
Glaukomforschung - Einfluß der Sauerstoffpenetration auf die Netzhaut
Key Note Speaker: Michael Bärtschi, Ph.D.
Die adäquate Versorgung der Netzhaut mit Nährstoffen ist für deren Funktion und Gesunderhaltung essentiell. Dabei steht besonders die Durchblutung der inneren Netzhautschichten im Fokus der klinischen Forschung. Das Referat beleuchtet aus dem Blickwinkel des Optometristen diese neue Sichtweise am Beispiel des Glaukoms. Sie lernen die wissenschaftlich und klinisch anerkannten und bereits verfügbaren Techniken und Fakten kennen, welche zur Erkennung und Bestimmung der wichtigsten Durchblutungsparameter dienen.
 
Dr. Michael Bärtschi übernahm 2003 das familieneigene Kontaktlinsenstudio Bärtschi im schweizerischen Bern (Eyeness AG), in dem er seit 1991 als Kontaktlinsenspezialist und Optometrist tätig ist. Mit großem Engagement setzt er sich für Problemlösungen und Forschung rund um die Augen und das Sehen ein. An der Berufsschule Bern bildete er acht Jahre lang künftige Augenoptiker mit aus und leitete sieben Jahre lang die Kontaktlinsensprechstunde des Baseler Universitäts-Augenspitals. Er hält weltweit Vorträge, verfasst Fachartikel und fungiert als externer Berater für das New England College of Optometry in Boston (USA) und das University Hospital in Dhulikhel (Nepal). 
 
Einsatz von Funduskameras in der optometrischen Praxis – Potentiale und Grenzen
Dipl.-Ing. (FH) Karl Amon, M.Sc.
In seinem Vortrag wird er vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen die Potenziale und Grenzen von Funduskameras aufzeigen. Das Thema dürfte besonders interessant für all diejenigen Augenoptiker sein, die eine entsprechende Anschaffung erwägen. Amon wird über den Ablauf der optometrischen Augenprüfungen in seinem Betrieb berichten, anschließend erläutert er die Unterschiede zwischen Funduskameras und sogenannten Scanning Laser Ophthalmoskopen (SLO) am Beispiel des Easy Scan. Darüber hinaus wird er auf Kundenvorteile und den langfristigen Nutzen für das Geschäft sowie die Grenzen digitaler Bildgebung am Augenhintergrund eingehen.
 
Karl Amon ist Dipl.-Ing. (FH) Augenoptik und hat einen Masterabschluss in Vision Science and Business. Als Gründer und Inhaber von Amon und Sebold Optik in Aschaffenburg lebt er seit 1991 gemeinsam mit seinem Team aus aktuell rund 20 Augenoptikern und Augenoptikermeistern das Firmenmotto „mehrsehen.“
 
Auffälligkeiten am hinteren Augenabschnitt - Interaktives Retina Quiz 
Dr. Bastian Cagnolati , Wolfgang Cagnolati, D.S.c. 
Der Vortrag von Wolfgang und Bastian Cagnolati beschäftigt sich mit Auffälligkeiten des hinteren Augenabschnitts, die sich mithilfe der Ophtalmoskopie erkennen lassen. Die Augenhintergrunduntersuchung hat nach Einschätzung der Referenten in unserem Berufsstand eine besondere Bedeutung, denn: Nahezu 80 Prozent der Sehhilfenverordnungen erfolgen durch refraktionierende Augenoptiker oder Optometristen. 
Nach einer kurzen Einführung in das Thema können die Besucher zudem ihr Wissen beim interaktiven Retina-Quiz auf die Probe stellen und Netzhautbefunde per Voting-System bewerten.
 
Wolfgang Cagnolati, D.S.c., studierte Augenoptik/Optometrie in Berlin und Pennsylvania (USA). Für sein herausragendes Engagement im Bereich der Augenoptik und Optometrie wurde er in Deutschland und international mehrfach ausgezeichnet. Gemeinsam mit seinem Sohn Dr. Bastian Cagnolati lebt er im Augen- und Sehzentrum Optometrie Cagnolati in Duisburg das Motto „Der Kick in der Optik“. Dr. Bastian Cagnolati studierte Optometrie in London und absolvierte sein Promotionsstudium zum Thema Refraktionsentwicklung bei Kindern an der Glasgow Caledonian University. 
 
 
Schlusswort von Georg Stollenwerk, IVBS
Tag der Optometrie 2016

 

Gebündelte Weiterbildung an einem Wochenende

 
Tag der Optometrie 2016In diesem Jahr neu und bisher einzigartig ist die Zusammenlegung verschiedener Veranstaltungen rund um den Tag der Optometrie.
So findet am 8. Oktober am selben Ort die jährliche Obermeistertagung und außerordentliche Mitgliederversammlung des ZVA statt, die nun auf einen Tag verkürzt wurde. Gleichermaßen veranstaltet die VDCO am 7./8. Oktober ihren Jahreskongress unter dem passenden Motto „Gemeinsam sind wir stark“ zusammen mit einem Parallelprogramm aus Praxis-Workshops im Rahmen der Contact ´16 und der Optometrie ´16.  
Die vom ZVA geladenen Delegierten der Landesverbände und -innungen haben somit die Möglichkeit, sich ohne zusätzliche Fahrt- und Teilnahmekosten die Vorträge am 9. Oktober anzuhören oder am 8. Oktober zum Kongress der VDCO zu gehen. Umgekehrt steht selbstverständlich auch für die Mitglieder der VDCO die Teilnahme an beiden Veranstaltungen frei. Somit bietet sich in diesem Jahr die einmalige Möglichkeit, an einem Wochenende ein breit gefächertes Fortbildungsangebot wahrzunehmen und neue Impulse zu gewinnen.