Augenoptikerinnung des Landes Brandenburg

*Artikel aus Deutsche Optiker Zeitung (DOZ) Ausgabe 11/2011; inzwischen ist Christoph Koltermann der neue Geschäftsführer*

Der Standort der Augenoptikerinnung des Landes Brandenburg (AOI BRB) in Rathenow hätte kaum bedeutungsvoller gewählt werden können: Die kleine Stadt an der Havel wird gemeinhin als „Wiege der industriellen Optik in Deutschland“ bezeichnet. Johann Heinrich August Duncker, Begründer der deutschen optischen Industrie, entwickelte hier Anfang des 19. Jahrhunderts die erste Vielspindelschleifmaschine für die rationelle Brillenglasherstellung; zu DDR-Zeiten wurde ein Großteil des Ostblocks von hier mit Brillen und optischen Geräten versorgt. Heute werden in den Geschäftsräumen der Augenoptikerinnung andere Dinge angestoßen, beispielsweise die Zusammenarbeit der „optic alliance brandenburg berlin“ (oabb), ein Netzwerk von optischer Industrie, augenoptischem Handwerk sowie Fachhochschulen. 


Geschäftsführer Eberhard Röhle meint: „Oft wird gefragt: Was tut die Innung für ihre Mitglieder und was für Vorteile bietet sie? Eine präzise Antwort auf diese Frage fällt uns oft überraschend schwer. Das kommt nicht daher, weil wir keine Antwort wissen, sondern weil sie komplex und vielfältig in ihrer Dimension ist.“ Viele Vorteile liegen allerdings auf der Hand: Die AOI BRB unterstützt ihre Mitglieder unter anderem mit Bürodienstleistungen wie beispielsweise Berechtigungsscheinen, Sehtestformularen, Preislisten, befristeten Ausnahmegenehmigungen und Marktanalysen. Ferner bietet sie Unterstützung bei Fragen rund um die Fort- und Weiterbildung. Sie hilft ihren Mitgliederbetrieben außerdem bei deren Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, nimmt Kontakt mit örtlichen Zeitungen auf und betreibt mit Krankenkassen gemeinsame Marketingstrategien. Auch sorgt die Innung dafür, dass Betriebe geschützt, unseriöse Wettbewerbe bekämpft und Werbeaussagen sowie wettbewerbsrechtliche Zulassungen geprüft werden. Die AOI BRB ergänzt ihr kollektives Leistungsangebot zudem um die innungseigene Stellenbörse für die Personalvermittlung sowie die Geschäftsbörse für den Verkauf  der den Erwerb von Augenoptikerbetrieben. Außerdem berät sie ihre Mitglieder bei rechtlichen Fragen rund um Kassenverträge, Arbeitsverträge, Miet- und Pachtverträge und Ausbildungsverträge. Die betriebswirtschaftliche Beratung in allen Fragen des Augenoptikeralltags ist ein weiterer  wichtiger Angebotsbereich der Geschäftsstelle. 

Blick voraus

Aktueller Schwerpunkt der Innungsarbeit ist derzeit vor allem die Sicherung des Nachwuchses im Berufsstand. Dazu hat die AOI BRB die  Ausbildungssituation zum Augenoptiker analysiert und Maßnahmen zur Gegensteuerung des Negativtrends der Ausbildungszahlen im Land Brandenburg getroffen. Um die Attraktivität des Berufsbildes zu steigern erfolgen derzeit beispielsweise im innungseigenen Bildungs- und Technologiezentrum für Augenoptik (BTZ) in Rathenow umfangreiche räumliche Veränderungen sowie eine Ersatzinvestition in Höhe von 350.000 Euro. Damit soll die Technik in der Ausbildung sowie der Fort- und Weiterbildung auf den aktuellsten Stand gebracht werden. Ferner steht das Engagement im Netzwerk oabb auf der innungseigenen Agenda. Dort werden Kooperationen zwischen Berlin und Brandenburg umgesetzt, beispielsweise die Zusammenarbeit beim Einschleifen von Sonderlinsen oder die Schaffung eines Angebotspaketes für Brillen. Außerdem soll eine Zukunftsstudie über die augenoptische Entwicklung in der Region Berlin-Brandenburg bis 2015 weitergeführt werden. In Zukunft sollen den Mitgliedern zudem Fassungen aus der bestehenden Netzwerkverbindung angeboten werden. Doch es steht noch mehr auf dem Plan: „Bei der Nutzung der neuen Kommunikationsmedien wie auch der Einbindung in soziale Netzwerke müssen wir umgehend an der Umsetzung arbeiten“, beschreibt Röhle das nächste Vorhaben. 

Gebündelte Interessen

Die Landesinnungsverbände stehen allgemein vor großen Herausforderungen: Steigende Anbieterzahlen, die starke Präsenz der Filialisten, der Einbruch von immer mehr Discountern und aktuell das Bestreben der Augenärzte, verstärkt Sehhilfen abzugeben und dadurch ebenfalls auf dem Markt Fuß zu fassen, führen zu einer Interessenspaltung im Berufsstand der Augenoptiker. Rund 53 Prozent der Mitglieder des AOI BRB nehmen daher regelmäßig an den Innungsversammlungen teil, um über die Zukunft der Augenoptik mitzubestimmen. Um die Wichtigkeit und die Kompetenzen des augenoptischen Berufs bekannt zu machen betreibt die AOI BRB im Rahmen des oabb zudem Öffentlichkeitsarbeit und präsentiert sich regelmäßig auf der opti. Außerdem beteiligt sie sich an den Berufsbildungsmessen und hat„ einen guten Draht zu Kreis- und Landesbediensteten wie auch Politikern“. Röhle weiter: „Ein starker Verband verwaltet und betreut nicht nur seine Mitglieder, sondern stellt sich  auch den wirtschaftlichen Erfordernissen der heutigen Zeit. Er kann daher nicht nur ein Standbein haben, sondern sollte mehrere zukunftsorientierte, wirtschaftliche Möglichkeiten erschließen.“ 

Nachwuchs sichern

In den vergangenen 21 Jahren wurde am Standort Rathenow mit dem BTZ eine überbetriebliche Ausbildungsstätte, eine Meister- und Optometristenschule sowie eine Weiterbildungseinrichtung aufgebaut. Das Zentrum hat seitdem mit seiner Meisterausbildung, den überbetrieblichen Lehrunterweisungen, Seminaren und Workshops sowie der Ausbildung zum „Optometrist (HwK)“ einen hohen Anteil an der wirtschaftlichen und berufspolitischen Stabilität des AOI BRB. 70 Meisterschüler und 131 Azubis sind am BTZ eingeschrieben, seit September dieses Jahres sind zudem 225 Azubis aus Berlin in der überbetrieb lichen Lehrunterweisung. Das Lehrangebot umfasst unter anderem Seminare für osteuropäische Augenoptiker und Augenärzte, für die Spezialisierung in den Bereichen Kontaktlinsenanpassung und Vergrößernde Sehhilfen sowie für Screening, Kinderoptometrie, Marketing und Refraktionsassistenz.

Eberhard Röhle, Geschäftsführer: 

„Durch den Wertewandel in der Gesellschaft und den enorm zunehmenden Wettbewerbsdruck auf den enger werdenden Markt ist der  Solidaritätsgedanke zurzeit äußerst belastet. Vielfach wird versucht, dem immensen Wettbewerbsdruck insbesondere über den Preis entgegenzuwirken. Dadurch wird den Augenoptikern bzw. Mitgliedern das Erkennen gemeinsamer Interessen erschwert, weil in erster Linie die eigenen betrieblichen Interessen – verständlicherweise – in den Vordergrund rücken. Die rasante Entwicklung der letzten Jahre erfordert ein völlig neues Herangehen der Innung an ihre Aufgaben.“

Bernd Müller, stellvertretender Landesinnungsmeister und Lehrlingswart: 

„Neben der Nachwuchsförderung sind weitere Vorzüge einer Innungsmitgliedschaft die aktuellen Brancheninformationen des ZVA, die kostenlose Gutachter- und Rechtsberatung, Preisnachlässe bis zu 50 Prozent auf Aus- und Weiterbildung, zentrale Verhandlungen mit allen Krankenkassen u.v.m. Die innungseigene Service GmbH bietet weitere Vorteile, wie z. B. eine Jobund Technikbörse, einen Verleihservice von optischen Geräten und Maschinen sowie die kostengünstige Nutzung des zentralen Einschleifservices. Nicht zuletzt motiviert mich der fachliche Austausch mit engagierten Innungsmitgliedern für Neues in der Augenoptik.“

Werner Marchwat, Landesinnungsmeister der AOI Brandenburg:

„Eine Innung kann einem Handwerksbetrieb vielfältige Aufgaben abnehmen. Von den Mitarbeitern der Landesinnung werde ich in allen Fragen kompetent beraten, beispielsweise wenn ich in meiner täglichen Arbeit Rechtsfragen, Fragen zur Ausbildung, zur Weiterbildung, zum Wettbewerbsrecht, zu Arbeitsverträgen oder zu Reklamationen und Gewährleistungen habe. Wir müssen außerdem Zukunftsfragen für den Nachwuchs unseres Berufsstandes diskutieren. Hier müssen Entscheidungen herbeigeführt werden, bei denen die Mitarbeit vieler Innungsbetriebe dringend notwendig ist. Auch mit der örtlichen optischen Industrie muss ein gutes Verhältnis gepflegt werden.“

Gunther Schmidt, Vorstandsmitglied der AOI BRB: 

„Als Augenoptiker aus Familientradition ist für mich der Zusammenhalt unter Berufskollegen selbstverständlich, auch wenn sich dies in der jüngeren Vergangenheit in unserem Berufsstand verändert hat. Die Augenoptikerinnung Brandenburg wird leider oft unterschätzt, da nicht jede unserer Aktivitäten als realer Euro sichtbar wird. Durch meine Arbeit im Vorstand möchte ich Vorurteile und Hemmungen abbauen, um meinen Kollegen sowohl die wirtschaftlichen als auch politischen Vorteile einer Mitgliedschaft im Innungsverband näherzubringen. Ein starker Verband kann sehr viel bewirken. Ohne die Augenoptikerinnung würde so mancher berufliche Alltag heute sehr viel anders aussehen.“
 

Artikel aus Deutsche Optiker Zeitung (DOZ) Ausgabe 11/2011

 

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